Aktien fliegen zu früh aus dem Depot

Die Betrachtungsweise von Aktienanlagen ist sehr unterschiedlich. Für die einen sind es heiße Spekulationen – rein und raus binnen Minuten. Die anderen heben hervor, dass Aktienanlagen langfristig am ertragreichsten seien. Statistisch gesehen war es in den vergangenen 150 Jahren kaum möglich, mit Anlagen in Qualitätsaktien länger als fünf Jahre am Stück Verluste einzufahren, sieht man einmal von Hyperinflationen oder den Auswirkungen schwerer Kriegszerstörungen ab.

Martin Hock

Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Oder besser gesagt, der Durchschnitt. Zuletzt lag diese in Amerika bei 1,69 Jahren. Oder wenn man es genau ausdrücken wollte: 1 Jahr, 8 Monate, 6 Tage, 4 Stunden, 2 Minuten, 41 Sekunden und 7,977528 Zehntelsekunden verweilte eine Aktie im Durchschnitt in einem Depot.

Drastisch kürzer als 1974

Das ist nicht lang, zumindest nicht lang genug, um in den Genuss der Vorteile einer langfristigen Aktienanlage zu kommen. Allerdings ist es, wie gesagt, ein Durchschnitt. Es zeigt dennoch: Im Endeffekt überwiegt der eher kurzfristig orientierte, spekulative  Handel. Wer nun glaubt, das sei ein Ergebnis eines algorithmengetriebenen Sekundenhandels, wie er in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, mag durchaus zum Teil Recht haben.

Denn etwa 1974 lag die Haltedauer noch bei 6,25 Jahren und in den fünfziger Jahren sogar bei mehr als 8, wobei dies damals stark schwankte. 1942 hatte der Wert übrigens zwischenzeitlich einmal mehr als 11 Jahre erreicht.

Betrachte man aber das Gesamtbild seit 1900, muss man diese Ansicht vielleicht doch etwas relativieren. Erstens sank die Haltedauer am schnellsten zwischen 1974 und 1987. Zweitens erreichte sie ihren jüngsten Tiefpunkt mit weniger als 9 Monaten, die eine Aktie durchschnittlich in einem Depot verweilte, schon 2008. Seitdem ist sie tendenziell wieder gestiegen.

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