All Blacks: Der verrückte Traum des deutschen Rugby-Talents

Seinen ersten Haka wird Anton Segner nie vergessen. „Ich stand mit den anderen weißen Jungs in der letzten Reihe. Es war krass, dort dabei zu sein“, sagt das Frankfurter Rugbytalent über jenen Tag, an dem er erstmals für die legendären All Blacks aus Neuseeland auflief. Nur für die U-18-Auswahl zwar, dafür aber vor 10.000 Zuschauern und inklusive des rituellen Kriegstanzes, bei dem traditionell die Maori ganz vorne stehen, die Angehörigen der Ureinwohner. „Das gibt einen ordentlichen Adrenalinschub“, sagt Segner.

Der 17-Jährige wurde nach der Begegnung gegen Tonga gleich zum „Man of the Match“ gewählt, seine Familie saß auf der Tribüne. Jene Familie, die Sagner schon mit 15 Jahren verlassen hatte, um 18.000 Kilometer entfernt Geschichte zu schreiben. In Neuseeland, dem Mekka seiner Sportart, will er Teil der Nationalmannschaft werden, der ruhmreichen All Blacks – und er ist auf einem guten Weg. „Wenn ich es schaffen würde, da mal ein Teil von zu sein, wäre das einfach der Hammer. Die All Blacks sind die größte Sportmannschaft der Welt“, sagte der 1,90 Meter große und 110 Kilo schwere Blondschopf dem Sport Informations Dienst: „Deutschland kommt für mich nicht mehr in Frage.“ Das Ziel ist das Team des Rekordweltmeisters.

Wer es zu einem All Black bringt, genießt in Neuseeland Heldenstatus. Genau 1181 Spieler haben bislang das begehrte schwarze Trikot getragen. Seit 1884 wird fein säuberlich die Liste der harten Männer geführt. Seit Beginn des Profizeitalters schafften es erst 18 Ausländer ins Team. Das Potential scheint Segner zu haben. Der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler schaffte es schnell in die Schulmannschaft des traditionsreichen Nelson College, ist mittlerweile sogar Kapitän – als einziger Ausländer im Team. Nach nicht einmal zwei Jahren in Neuseeland wurde er in die U-18-Auswahl der All Blacks berufen. Beim Turnier in Brisbane/Australien trug er erstmals das schwarze Trikot — und erlebte den Haka hautnah mit.

Um für die neuseeländische Nationalmannschaft spielberechtigt zu sein, muss Segner fünf Jahre im Land leben und darf sich höchstens sechs Wochen pro Jahr im Ausland aufhalten. Da er für den Abschluss seiner Mittleren Reife nochmal nach Deutschland zurückkehrte, könnte er laut der Residence Rule frühestens in vier Jahren für das Team seiner Träume auflaufen. Für Sportdirektor Manuel Wilhelm vom Deutschen Rugby-Verband (DRV) ist der Siebener „eines der größten Talente in Deutschland. Wenn er mal für die All Blacks spielen wird, werden wir uns für ihn freuen und kein weinendes Auge dabei haben.“

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