Das Beste lesen mit F+: Anti-Langweiler und Kultbrauerei

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Langeweile ist das Schlimmste. Karl Lagerfeld hätte das sofort unterschrieben. Er hat alles dafür getan, die Menschen und sich selbst nicht zu langweilen. Das ist ihm gut gelungen. Entsprechend groß war das Interesse an dem, was meine Kolleginnen und Kollegen über ihn zu berichten hatten, als bekannt wurde, dass Lagerfeld mit 85 Jahren in Paris gestorben ist. Eindrucksvoll ist es zum Beispiel nachzulesen, was Jennifer Wiebking, Redakteurin im Ressort „Leben“ unserer Sonntagszeitung, über ihre letzte Begegnung mit Lagerfeld im vergangenen Oktober in Paris geschrieben hat. Kaia Gerber war noch dabei, die Tochter von Cindy Crawford, die mit Lagerfeld gerade eine gemeinsame Kollektion erarbeitet hatte. Erste Frage: Wie die Zusammenarbeit der beiden gelaufen sei? Sie sagt: „Ich hätte von niemand Besserem lernen können.” Und er: „Ich bin kein Lehrer. Ich höre gar nicht zu.“ Zweite Frage: Wie lange sie mit diesem Projekt beschäftigt gewesen seien? Sie sagt: „Etwa ein Jahr.“ Und er: „Sechs Monate – und zwar Tag und Nacht.“ Er feuert eine Antwort nach der anderen raus und redet dabei häufig im Wir, Kaia und Karl. Wie ein Duo. So offen war er. „Wenn wir nicht schnell sind, langweilen wir uns.“ Das durfte nicht sein. Und wenn Sie Ihren F+Zugang zu FAZ.NET kurzweilig dazu nutzen möchten, alles, was wir über Karl Lagerfeld wissen, zu erfahren, schauen Sie doch gerne noch einmal hier. Irgendwann wird man sanft daran erinnert, dass man langsam zum Ende kommen solle. Letzte Frage: Was für ihn als nächstes anstehe? Und Karl Lagerfeld antwortet: „Das weiß man nie. Das Leben ist voller Überraschungen.“ 

Carsten Knop

Das stimmt – und viele von Ihnen waren in dieser Woche offenbar auch überrascht zu erfahren, dass die Münchner Kultbrauerei Augustiner keinen Mann, sondern mit Catherine Demeter eine Frau als Eigentümerin hat, die genau weiß, wie sie das Traditionshaus erfolgreich in die Zukunft führen will. Unserem Münchner Korrespondenten Hennig Peitsmeier hat sie in ihrem ersten Interview überhaupt verraten, aus welchen Zutaten das Erfolgsrezept von Augustiner besteht: Nämlich in dem, was sie nicht macht. Nicht reden wollte Demeter zum Beispiel über ihre Ergebniszahlen. Aber das Stück ist ein Beweis dafür, dass Unternehmensberichterstattung auch ohne Berge von Zahlen spannend sein kann. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass Demter nicht wusste, wie die wahre Lieblingsbiermarke des Journalisten aus Ostwestfalen heißt, der sie da interviewt hat. Immerhin: Es ist ebenfalls eine Privatbrauerei, wenn auch mit Sitz in Lübbecke. Probieren Sie, nachdem Sie den Text gelesen haben, doch einfach mal beide Marken aus. Den fehlenden Namen finden Sie schnell.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Hinweis auf einen Text geben, den kein Kollege von mir, sondern Leonhard Schilbach, geschäftsführender Oberarzt und Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, für uns geschrieben hat. Es geht darin um die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die derzeit massiv angegriffen wird, unter anderem mit Hinweis auf ihre Behinderung. Denn es gibt Stimmen, die behaupten, Thunberg sei wegen einer bei ihr vorliegenden psychischen Krankheit nicht ernst zu nehmen. Es finden sich Spekulationen über Missbrauch in der Kindheit oder ideologische Indoktrination, auf die diese Krankheit angeblich zurückzuführen sei, und die Forderung, dass eigentlich der Jugendschutz aktiviert werden müsse. Auf solche Stimmen geht der Text aus der Sicht eines Erwachsenenpsychiaters mit einem Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Autismus-Spektrum-Störung ein. Es ist ein lesenswertes Stück geworden, gleichgültig, ob man das Vorgehen und die Forderungen von Thunberg unterstützt oder nicht. Denn Schilbach ist davon überzeugt, dass die Diskussion mit Autisten durchaus zu einer Versachlichung der Debatte führen könne, von der gerade auch Personengruppen ohne Autismusdiagnose profitieren könnten.

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Viele Grüße und ein schönes Wochenende,

Ihr Carsten Knop
Chefredakteur digitale Produkte
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Источник: Corruptioner.life

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