Das Weingut Kruger-Rumpf: Lieber Bauhaus als Barock im Glas

Die Karriere des Weinbauern Georg Rumpf begann im arbeitsrechtlich und entwicklungspsychologisch bedenklichen Alter von sechs Jahren. An der Schwelle vom Kindergarten zur Grundschule hing der kleine Georg, der schon damals weder Astronaut noch Lokomotivführer werden wollte, seinem Vater Stefan klettengleich am Rockzipfel, wenn dieser hinunter in den Keller zum Wein ging.

Jakob Strobel y Serra

Das Kind kletterte auf Fässer, entrappte Lesegut, überwachte die Gärung und half seinem Vater auch sonst nach Kräften, der sich gerade anschickte, aus dem kleinen Fassweingut seiner Familie einen großen Qualitätsbetrieb zu machen. Heute kann man ohne Einschränkung sagen, dass Georg Rumpf seine Kellerkindheit nicht geschadet hat. Inzwischen führt er ein Haus, das mit fünfundvierzig Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von 300.000 Flaschen nicht nur das größte Weingut an der Nahe, sondern dank seiner charakterstarken Rieslinge und Burgunder auch eines der besten dort ist.

Die Geschichte des Hauses Kruger-Rumpf beginnt zwar schon im Jahr 1860, als Georg Rumpfs Ururgroßvater die Erbin der Winzerfamilie Kruger heiratete, doch Fahrt nahm sie erst mit Stefan Rumpf in den frühen achtziger Jahren auf.

Familie Rumpf scheut keine Arbeit

Er hatte Agrarwissenschaft studiert und ein halbes Jahr in Kalifornien gearbeitet – was damals für deutsche Winzer so üblich war wie eine Mondfahrt –, kam voller Ideen nach Hause zurück, riss den massenkompatiblen Müller-Thurgau heraus und pflanzte stattdessen Burgunder, baute seine Weine entgegen der herrschenden Mode nur noch trocken aus, zog ihnen ein starkes Rückgrat aus Säure ein und führte seinen Betrieb in der Rekordzeit von nur acht Jahren in den Verband der Deutschen Prädikatsweingüter.

Noch in diesem Jahr wird er die Leitung des Guts vollständig in die Hände seines Sohnes geben, die er sich seit 2008 mit ihm teilt. Und wenn man Vater und Sohn zusammensitzen sieht, hat man nicht den Eindruck, dass das Wort Generationenwechsel im Hause Kruger-Rumpf mit sonderlich viel Sprengstoff gefüllt ist.

Dabei wäre Konfliktpotential vorhanden, denn Georg Rumpf geht als Winzer nie den unkomplizierten Weg. Wann immer es in der Vergangenheit möglich war, kaufte oder pachtete er Steillagen von Kollegen, die keine Lust mehr auf die Schufterei im vertikalen Wingert hatten. So sind sechzehn Hektar steilster Weinberge an der unteren Nahe zusammengekommen, darunter die Großen Lagen Burgberg und Goldloch. Sie werden zwar mit moderner Technik bewirtschaftet, etwa Raupen, auf denen man rittlings sitzt und die sich an Seilwinden durch den Weinberg bewegen, machen aber immer noch viel Arbeit.

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