Interview mit Wirecard-Chef Markus Braun

Herr Braun, halten Sie das Leerverkaufsverbot der Finanzaufsicht Bafin für Wirecard-Aktien für angemessen?

Markus Frühauf

Die Bafin ist eine unabhängige Behörde und trifft unabhängige Entscheidungen. Wir sind nicht darin eingebunden gewesen und haben auch keine Schutzmaßnahmen gefordert. Ich gehe davon aus, dass die Aufsicht für das Leerverkaufsverbot triftige Gründe gehabt hat. Grundsätzlich kommentiere ich Entscheidungen von Behörden nicht.

Ist es nicht die Aufgabe des Unternehmens und seines Vorstands, für das Vertrauen der Anleger zu sorgen?

Ja, das ist eine Hauptaufgabe des Unternehmens und seines Vorstands. Aus unserer Sicht haben die Kursschwankungen unserer Aktie in den vergangenen Tagen keinen fundamentalen Grund. Welche Gründe sie haben, ist Gegenstand einiger Untersuchungen. Diesen möchte ich aber nicht vorgreifen.

Was wäre ein fundamentaler Grund?

Das wären eine Gewinnwarnung oder eine Anpassung unserer Jahresziele. Das müssen unsere Anleger aber nicht befürchten. Unser operatives Geschäft ist von diesen Entwicklungen nicht betroffen. Es läuft weiterhin sehr stark.

Wenn es die Hauptaufgabe des Vorstands ist, für das Vertrauen der Anleger zu sorgen, warum hat hier Wirecard versagt? Sind die internen Strukturen zu schwach, um sich gegen solche Spekulationen selbst zu schützen?

Es ist die Aufgabe eines Unternehmens, eine starke Strategie zu formulieren und diese umzusetzen. Für uns stehen technische Innovationen im Vordergrund. Das muss der Kapitalmarkt würdigen. Es gab bei Wirecard schon öfters schwierige Phasen an der Börse. Darauf muss ein Unternehmen robust reagieren. Wir konzentrieren uns auf eine überzeugende Geschäftsentwicklung. Wir lassen uns darin nicht von der Börsenentwicklung stören. Die Anleger können von uns maximale Transparenz und Aufklärung erwarten. Die Bewertung überlassen wir dem Kapitalmarkt.

Am Kapitalmarkt gibt es aber regelmäßig Bedenken zu ihrem Geschäftsmodell. Es ist schwer zu verstehen, wie Wirecard Geld verdient.

Wir haben in den vergangenen Jahren durch verschiedene Kennzahlen unser Geschäft sehr gut erklärt. Wir werden weiterhin Anregungen von Investoren aufnehmen und unser Berichtswesen entsprechend erweitern.

Woran machen Sie eine Marktmanipulation fest?

Die Bewegungen in unserer Aktie waren nicht fundamental begründet. Das steht für uns fest. Wir müssen uns fragen, wie diese Kursschwankungen verursacht worden sind. Das aufzuklären, ist nicht meine Aufgabe, sondern Aufgabe der Behörden.

Ist das Vertrauen in ein Unternehmen und seine Außendarstellung nicht auch ein fundamentaler Grund?

Ich habe keine Zweifel, dass die Börse mittel- und langfristig richtig funktioniert. Ich bin mir sicher, dass der Aktienkurs von Wirecard die sehr gute Geschäftsentwicklung und Innovationskraft bald widerspiegeln wird.

Gehen Sie gerichtlich gegen die „Financial Times“ vor, deren Berichterstattung Auslöser heftiger Aktienbewegungen waren?

Wir prüfen, ob die Form der Berichterstattung angemessen war, gerade im Hinblick darauf, wie wir gegen die Verleumdung von Mitarbeitern vorgehen können.

Dann beschränken Sie sich nur auf Persönlichkeitsrechte, obwohl Sie die Berichte als unwahr bezeichnet haben?

Das geht weiter, es handelt sich um eine umfassende Prüfung. Es wurde in den Berichten nicht erwähnt, dass wir eine umfangreiche Untersuchung angestrengt haben oder keiner der Vorwürfe bewiesen werden konnte. Es wurde der Eindruck erweckt, es gäbe hier einen großen Bilanzskandal. In Wahrheit geht es um einen potentiellen Umsatzschaden von 6,9 Millionen Euro. Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war.

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