Niki Lauda wird siebzig: Ein Kämpfer, der nicht hadert

Was macht Niki Lauda? Er kämpft. Das ist keine besondere Nachricht. Lauda hat immer gekämpft. Um den Einstieg in seine Motorsportkarriere gegen den Willen der Familie. Um den Aufstieg zum Formel-1-Weltmeister; um sein erstes Comeback nach dem schweren Unfall im August 1976 auf dem Nürburgring, dem der zweite Titel 1979 und nach der zweiten Rückkehr aus wirtschaftlichen Gründen der dritte (1984) folgte; um den Aufbau seiner Fluglinie(n); um das Vertrauen nach der Tragödie, dem Absturz einer seiner Maschinen mit 223 Menschen an Bord. Und, ja, nicht nur nebenbei, um sein Überleben.

Anno Hecker

Erst in rasenden Benzinbomben, als beinahe jedes Jahr ein Kollege zu Grabe getragen wurde. Und nach dem Crash in der Eifel gegen die Folgen der Verätzungen und Vergiftungen, die er, in seinem brennenden Ferrari-Wrack sitzend, erlitt. Zwei Nieren hatte Lauda erhalten müssen, bevor im Sommer des vergangenen Jahres eine Lungentransplantation sein Leben rettete. In diesen Tagen absolviert er ein hartes Reha-Programm.

Die Spuren dieses Lebens zeichnen sein Gesicht. Gegenüber dieser Zeitung sprach er einst von dem Schock, der ihn erfasst hatte, als er 1976 im Krankenhaus erstmals die Folgen im Spiegel erkannte – und akzeptierte. Lauda hadert nicht. Er ein Opfer der Flammen? Nein. Das wütende Feuer als Symbol einer vernichtenden Kraft, falls man mit ihm spielt, verzehrte ihn nicht. Lauda setzte eine Kappe auf. Fertig.

Mit dieser albern anmutenden Kopfbedeckung verstand er es wie niemand vor ihm, in der auf Unversehrtheit, auf ewige Jugend getrimmten Werbewelt der Formel 1 zu einer besonderen Marke zu wachsen. Dazu bemühte er nicht Modelposen. Lauda blieb Lauda, ein kompromissloser Formel-1-Erklärer, gewollt und geschätzt wegen seiner Bereitschaft, im Live-Fernsehen die ständig wachsende wie nervende Komplexität dieses Sports mit einfachen Formulierungen herunterzubrechen auf Schwarz-Weiß-Urteile über Formel-1-Menschen: Deppen sieht er darunter, auch Fahrer, denen er die Couch des Psychiaters empfahl.

Niki Lauda im August 1976 – fünf Wochen nach seinem schweren Rennunfall Bilderstrecke

Laudas Flexibilität umfasst auch die Umkehr seiner Tagesbewertungen quasi über Nacht ins Gegenteil. Immer vorausgesetzt, der Wiener findet einen Ansatz zur Wende, die er mit einem scheinbaren, in jedem Fall aufwertend sparsam eingesetzten Kotau veredelt: „Ich ziehe meine Kappe.“

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