Philip Lane wird nächster Chefvolkswirt der EZB

Der Chefvolkswirt ist der zweitwichtigste Posten in der Europäischen Zentralbank (EZB). Er berät den EZB-Chef und prägt die Debatten im 25-köpfigen Rat der Zentralbank. Seit acht Jahren hat Peter Praet diesen einflussreichen Posten inne. Der Belgier zählte mit dem Franzosen Benoît Cœuré zum „Küchenkabinett“ von EZB-Chef Mario Draghi. In der kleinen Runde wurden die wesentlichen Entscheidungen vorbereitet: die Null- und Negativzinsen ebenso wie das große und umstrittene Anleihekaufprogramm.

Philip Plickert

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

Marcus Theurer

Nächster Chefvolkswirt wird nun Philip Lane, auf diesen Vorschlag haben sich die Finanzminister der Eurogruppe am Montag geeinigt. Formell beschlossen wird die Personalie von den Staats- und Regierungschefs im März. In Frankfurt hört man in Notenbankkreisen, sowohl in der EZB als auch in der Bundesbank, viel Gutes über den Iren. Er wird als hochkompetent und pragmatisch bezeichnet. Der 49 Jahre alte Lane gilt als einer der renommierten irischen Makroökonomen. Seit November 2015 ist er als Nachfolger von Patrick Honohan Gouverneur der irischen Notenbank und in dieser Funktion Mitglied des EZB-Rates. Dort zählt er – wie Praet – zur Fraktion der „Tauben“, die eher für eine lockere Geldpolitik eintreten. Lane hat sämtliche Schritte von Praet und Draghi in Bezug auf das Anleihekaufprogramm unterstützt.

Bevor er 2015 in die Geldpolitik wechselte, war Lane fast zwei Jahrzehnte lang Professor am Trinity College in Dublin, wo er einen Lehrstuhl für politische Ökonomie innehatte. Zuvor arbeitete er unter anderem zwei Jahre an der Columbia University in New York. Das Ranking der Datenbank RePEc (Research Paper in Economics) listet ihn unter den top 5 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler weltweit. Promoviert wurde er 1995 an der amerikanischen Harvard-Universität. Aufgewachsen ist er in Blackrock, einem Vorort von Dublin. Der Familienvater ist Fußballfan und Anhänger des FC Liverpool.

Risiken des Klimawandels

Irland hat in der Finanzkrise vor zehn Jahren einen tiefen Absturz durchgemacht. Die Großbanken des Landes gerieten damals ins Wanken, einige gingen pleite und kosteten die Steuerzahler Milliarden. Philip Lanes Zentralbank-Büro in Dublin liegt in einem Glasgebäude nahe dem Hafen, das eigentlich die Anglo Irish Bank, die berüchtigste der Pleitebanken, für sich bauen ließ. Die Anglo Irish konnte das schicke Gebäude nicht mehr beziehen.

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