Vorwürfe gegen Dirigenten: Barenboim weist Kritik an Führungsstil zurück

Er sei launisch, jähzornig, aggressiv – gegen Daniel Barenboim sind schwere persönliche Vorwürfe als künstlerischer Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden laut geworden. Rund ein Dutzend Mitarbeiter hatte dem Dirigenten und Pianisten überwiegend anonym einen autoritären Führungsstil vorgeworfen, der auch vor persönlichen Beleidigungen und Verletzungen nicht zurückschrecke. Barenboim (76) wies die Vorwürfe am Donnerstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zurück. Er sieht sie als Teil einer Kampagne, um seinen Verbleib in Berlin zu hintertreiben.

„Ich habe mich bisher nicht geäußert, weil ich es traurig finde, mich zu anonymen Anschuldigungen zu äußern. Das ist nicht mein Stil und nicht meine Welt. Wenn jemand konkret etwas sagt, dann äußere ich mich dazu, ich bin ja ein Mensch, aber kein perfekter“, sagte Barenboim. In den vergangenen 24 Stunden sei die Anonymität „etwas durchsichtiger“ geworden.

Der Bayerische Rundfunk (BR) ließ drei Kritiker Barenboims namentlich zu Wort kommen. Ein ehemaliger Paukist der Staatskapelle, der lange Jahre unter Barenboim spielte, sprach von häufigen Schikanen Barenboims. Er habe Bluthochdruck bekommen und am Ende unter einer schweren Depression gelitten. Von Barenboim sei er nie beim Namen genannt worden, berichtete er im BR. Auch ein anderer ehemaliger Staatskapellen-Musiker, der dreizehn Jahre im Orchester spielte, sprach im BR von „Angst“ vor Barenboims Temperament. Manchmal sei dieser launisch gewesen, aus dem Nichts sei dann ein Stimmungswandel gekommen.

„Das ist nun einmal meine Aufgabe“

Das Online-Magazin „Van“ hatte bereits vor drei Wochen mehrere ehemalige und aktive Mitarbeiter der Staatsoper anonym zitiert, die ein launisches und aggressives Verhalten Barenboims beklagt hatten.

Ein ehemaliger Musiker sagte laut BR, an den Vorwürfen sei etwas dran, warb aber um Verständnis. Barenboim sei sicher nicht der geduldigste Mensch. Die Frage sei aber, „ob ein netter Opa von nebenan in der Lage ist, einen solchen Spannungsbogen aufzubauen wie Barenboim in einer Bruckner-Symphonie“.

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