Warum die World Restaurant Awards alles anders machen wollen

Stellt man sich die weltweite Restaurantszene als großen, runden Kuchen vor, dann besteht dieser aus all den kleinen Nachbarschaftsrestaurants und Cafés, die einen großen Teil im Leben der Menschen spielen. Sie sind es, die die Esskultur eines Ortes ausmachen und die zusammen ein großes Ganzes ergeben. Das Sahnehäubchen auf dem Kuchen sind die Spitzenrestaurants. Sie spielen im Alltag der meisten Menschen kaum eine große Rolle, sorgen aber für das gewisse Etwas – und ohne sie würde der Kuchen wohl auch nur halb so gut schmecken. Spitzenköche und ihre Teams gelten als Vordenker, deren Einfluss auf die Food-Welt sich wie eine flüssige Glasur über den ganzen Kuchen zieht.

Seit dem „Guide Michelin“ werden Restaurants weltweit miteinander verglichen. Bewertung und Platzierung kann über den wirtschaftlichen Erfolg oder auch Niedergang eines Restaurants entscheiden. Doch Listen wie etwa die britische „World’s 50 Best“ oder „Opinionated about Dining“ – die in den 2000er Jahren aus einem reinen Magazinartikel bzw. Blog entstanden waren und mittlerweile einen enormen Einfluss auf die Restaurantbranche haben – wird immer wieder vorgeworfen, dass sie stets die gleichen Spitzenrestaurants aufführen – von Männern geführt, vorwiegend aus Europa stammend, exklusiv für einen kleinen Teil der Gesellschaft zugänglich. Damit aber auch jeder ein Stück vom Kuchen abbekommt, schlagen nun die Initiatoren der „World Restaurant Awards“ ein neues Rezept vor.

Am Montagabend wurden sie zum ersten Mal in Paris verliehen. In der Weltstadt des guten Essens wurde dafür vor dem Palais Brongniart, der ehemaligen Börse, der rote Teppich ausgerollt. „Die Gastronomie und Essen im Allgemeinen ist in den letzten Jahren immer wichtiger und politischer geworden. Wir wollten der Food-Szene eine Bühne geben wie der Kunst, dem Film und der Mode,“ sagt Cecile Rebbot, Event-Direktorin des Veranstalters IMG. Ins Leben gerufen wurden die „World Restaurant Awards“ von Andrea Petrini und Joe Warwick, zwei international angesehene Food-Journalisten und Restaurantkritiker, die sich noch aus ihrer Zeit bei den „World’s 50 Best“ kennen. Schon seit Jahren sahen sie die Notwendigkeit für eine neue Art von Restaurant-Awards. Zusammen mit IMG wollen die „Oscars of Food“ die Restaurants nun in verschiedenen Kategorien auszeichnen – und nicht bloß auf eine Liste setzen. „Die Gastronomieszene hat sich in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Mittlerweile gibt es all diese unglaublichen Restauranterlebnisse, bei denen es eben nicht um eine dicke Weinkarte oder den Handtaschenhocker geht. Warum reden wir die ganze Zeit über die gleiche Art von Restaurants“, fragt Joe Warwick. Und Andrea Petrini sagt: „Was mir wirklich einen Schrecken einjagt, ist diese Vorhersehbarkeit. Wie wenn man sich einen Song anhört, der von einem berühmten Produzenten gemacht wurde, um all den Regeln zu folgen, damit sich der Song besser vermarkten lässt.“

„Arrival of the Year“-Award: Der deutsche Koch Thomas Frebel erhält die Auszeichnung für das in Tokio neueröffnete Restaurant „Inua“.

Um eine möglichst große Vielfalt zu erreichen, wurde eine hundertköpfige Jury versammelt, die zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern aus 38 Ländern besteht – unter ihnen sind Journalisten, Kritiker und Aktivisten und Köche wie René Redzepi, Massimo Bottura, Dominique Crenn, Ana Roš und Yotam Ottolenghi. (Köche, deren Restaurant selbst in einer Kategorie nominiert waren, durften für diese jeweilige Kategorie nicht abstimmen.) So unterschiedlich wie die Jury, war am Abend der Verleihung auch die Wahl der Garderobe im Palais Brongniart: eine bunte Mischung aus langen Abendkleidern und Röhrenjeans zu Doc Martens, Anzugträger neben Sneakertypen.

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